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Mit der Kleinbildkamera zu Frau Holle
Lainsitz, Mühlbach, Watzmanns (2002)

 

In der Nacht fiel fiel der erste Reif. Der Vortag war stürmisch und wechselhaft. Dieser Tag beginnt an der Lainsitz mit einem imposanten Sonnenaufgang. Aus dem Schwarzmeertal hebt sich das Tagesgestirn langsam auf den Himmel über dem Nordseebecken. Wo seine Strahlen auftreffen, verwandelt es die Eiskristalle zurück in Wasser. Der Ahorn gegenüber der Mühlbachmündung erwartet die Sonne mit weit ausgebreiteten Ästen. An den Osthängen und unten am Bach bleiben noch lange die Nebel liegen. "Dort, wo die Sonne über den Horizont stieg, dort will ich hin."

 

Der Wanderer schnappt seine Kleinbildkamera und bricht zu einer Expedition auf die Dachspitze Europas auf, zur Europäischen Wasserscheide. Dieser First ist gar nicht so hoch, südlich des Johannesberges zwischen Harmannstein und Watzmanns überquert die mittelalterliche Straße Steinbach-Engelstein den Höhenzug mit einer "Passhöhe" von etwa 760m.

 

Beim Ferchenbauer über die Lainsitz und über die Eisenbahn, hinauf auf die Leiten nördlich des Mühlbaches, den Wachberg im Rücken, Großpertholz und die Berge darüber zur rechten Hand. Der Mühlbach windet sich unten durch die feuchten Wiesen der Froschau. Hier heroben unter dem Haselberg liegt die einsame Alm zwischen Mühlbach und Oberlainsitz, ein schlichtes Bauernhäuschen in ihrer Mitte. Die Sonne scheint hell auf leuchtendes Herbstlaub, spiegelt sich in den Eiskristallen des Reifes auf dem Gras. Aus einem Backofen ruft es plötzlich: »Ach, zieh mich raus, zieh mich raus, sonst verbrenn ich: ich bin schon längst aus gebacken.« Der Wanderer geht ein paar Schritte weiter, da ruft es von einem Baum: »Ach, schüttel mich, schüttel mich, wir Äpfel sind alle miteinander reif.«

 

Natürlich tut der Mann beiden den Gefallen und geht mit dem schönen Gefühl weiter, Gutes getan zu haben. Immer der Sonne nach, dorthin, wo man zum Ahorn zurückschauen können wird. Ein Schwammerlsucher kreuzt misstrauisch den Weg. Auch der Wanderer ist misstrauisch, suchen doch sonst eher wenig Leute Pilze auf gefrorenem Boden. Mühlbach liegt hinter einem Wäldchen, beim Austritt aus diesem liegt der Bach vor ihm und auch ein großer Stein mit einem alten, eisernen Kreuz. Eine schöne Stelle, um den Bach anzubeten, eine schöne Stelle, um den Menschen zu erscheinen.

 

Bachabwärts steht die stillgelegte Hammerschmiede, die einst dem Bach zu seinem Namen verhalf. Eine weithin bekannte Frau lebte bis vor kurzem im Haus bei der Schmiede. Man sieht noch die Achse des Mühlrades, das Schmiedehäuschen, den Graben.

 

An Weiden vorbei durch das lang gezogene Mühlbach, den Hang zur Sonne hinauf. Natürlich steht hier ein großer Stein mit einer Opferschale, wie könnte es anders sein, bei dieser Lage! Sicht weit ins Lainsitztal hinauf und weit hinab! Der Grundberg mit seinem Hochplateau thront im Norden. "Ich habe ihn im Verdacht, etwas zu verstecken."

 

Weiter hinauf, über das Watzmannser Feld hinauf zum First Europas. Kultiviertes Land ringsum, doch kein Haus weit und breit. Sonne wieder, glitzernder Reif. »Was fürchtest du dich, liebes Kind?« Der Wanderer bleibt bei der alten Frau mit den großen Zähnen.

 

Seinen Fotoapparat habe ich gefunden. Die letzten Bilder: Ein merkwürdiges Podest, wie zur Aufbahrung oder wie zur Brandbestattung, wahrscheinlich auf dem Gipfel des Reitberges. Und ein mittelalterliches Haus in Watzmanns. Ob er darin verschwunden ist. Wer weiß?
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Onlinekarte mit Reitberg

Begrüßung
der Sonne
 

Licht aus dem Schwarzmeer-becken
 

Morgennebel an der Lainsitz
 

Blick zurück zum Wachberg
 

Hinauf nach Großpertholz
 

Die Froschau
 

Einsamer Bauernhof
 

Kreuz, Stein, Bach -
in Mühlbach
 

Schmiede
 

Wohnhaus
 

Nur die Achse blieb
 

Der Mühlbach vor der Hammer-schmiede
 

Der Mühlbach in Mühlbach
 

Weiden
 

Der Opferstein
 

Blick auf den Grundberg
 

Blick vom Opferstein ins Lainsitztal hinauf
 

Blick das Lainsitztal hinab
 

Im Norden der Grundberg
 

Steinfundament auf dem Reitberg
 

Detto
 

Altes Haus in Watzmanns