webhosting durch qic.at

 Auflösung bei Großansicht:         mittel     gering

Bach, Bahn, Bundesstraße
Die Lainsitz in Steinbach und Oberlainsitz (2002)

Steinbach, das bedeutet einen tiefen Einschnitt im Leben der Lainsitz. Nach vielen Kilometern einsamer Täler biegt der Fluss jäh in das frequentierte Tal nach Norden in Richtung Weitra und Gmünd. Seit Menschen hier wohnen, muss er das Tal mit einem Fernweg teilen, der von Gmünd kommend über Steinbach hinauf nach Großpertholz und weiter nach Freistadt führt. Seit etwa achthundert Jahren ist die Lainsitz von hier ab Kristallisationsschnur für menschliche Siedlung, reiht sich Haus an Haus in Zeilendörfern entlang des Baches, ziehen Raine quer zum Flusslauf in regelmäßigen Abständen die Grenzlinie zwischen den Grundstücken der Höfe vom Bachufer bis weit hinaus zum Wald.

Steinbach ist ein Haufendorf. Neben wenigen Bauernhöfen, von denen einige heute verlassen sind, gab es hier zwei Mühlen, ein Gasthaus und eine Pulverstampfe. Die Arbeiter für diese Betriebe lebten in kleinen Hütten, waren Kleinhäusler ohne eigene Landwirtschaft.

Während die Pulverstampfe längst verschwunden ist, die Steinbachmühle nicht mehr mahlt, die Winkelmühle als kleines Sägewerk stillsteht, gibt es seit dem vorigen Jahrhundert eine Landmaschinen- und KFZ-Werkstätte. Adele, die Tochter des Gründers Engelbert Helmreich, führt heute diesen Betrieb. Für die Bevölkerung war der Helmreich immer "der Schmied", wohl in Benennung seiner wichtigsten Funktion vor der Motorisierung der Landwirtschaft. Wie viele Schmiede besaß er Kräfte über sein Handwerk hinaus - er verstand es, verzweifelte Bauern, denen der Mähdrescher mitten in der Erntezeit eingegangen war, zu beruhigen und wieder zu Verstand zu bringen, er kurierte Wahnvorstellungen bei komplizierten Motorschäden, er heilte Hysterien, indem er löchrige Kartoffelhäfen lötete, er schmiedete alles in hartes Eisen, was voererst nur in der luftigen Fantasie seiner Kunden existierte. Diese Kraft, Eisen zu schmieden, verleiht auch - wie es scheint - die Kraft, Menschen zu formen.

Wenn man schon auf dieser Seite der Lainsitz ist, dann geht man weiter zum Bahnhof, der eigentlich schon als "ehemaliger Bahnhof" zu bezeichnen ist. "Steinbach-Großpertholz" nennt sich die Station, weil sie gerade noch in diese Gemeinde fällt. Ein paar Meter weiter beginnt Oberlainsitz und damit St. Martin. Am 9. August 1902 war die Teilstrecke von Gmünd bis hierher eröffnet worden, der Abschnitt "Kleiner Semmering" bis Großgerungs folgte nicht ganz ein Jahr später. Ab Steinbach begleitet die Trasse nicht mehr die Lainsitz sondern schlägt sich in Serpentinen durch den Bruderndorfer Wald über die Europäische Hauptwasserscheide nach Langschlag und Großgerungs. 

Ein Jahrhundert lang dampften die Personen- und Güterzüge mehrmals täglich durch das Tal. Für die Bauern war ihr Signalton zur Uhr geworden, hörte man ihn im Wald oder auf dem Feld am späten Nachmittag, so wusste man, dass man bald nach Hause und zur Stallarbeit musste. Dampfwolken und Rauchschwaden legten sich dann an die Lainsitzufer. Die Bahn brachte Modernität ins Land, man fuhr bequem zum Einkauf nach Weitra oder auf Besuch ins Spital nach Gmünd, man bestellte Maschinen oder Futtermittel per Bahn, man kaufte oder verkaufte Holz am Bahnhof. Viele Tonnen Getreide, Mehl, Stoffe, Kohle, Sand wurden über die Schienen talauf, talab transportiert. In den 50er und 60er Jahren legten sich die Leute Autos zu, irgendwann fuhr kaum einer mehr mit dem Zug, die Straßen wurden ausgebaut und auch der Güterverkehr verlagerte sich dorthin. Im Mai 2001 wurde der Verkehr der ÖBB auf der Strecke eingestellt, für zwei Jahre vom Land und von der Niederösterreichischen Verkehrsorganisationsgesellschaft ein touristischer Wochenendbetrieb aufgestellt. Samstag und Sonntag fährt derzeit ein Dampfzug die alte Strecke hin und zurück. Die Weiterführung im nächsten Jahr hängt davon ab, ob sich die Sache auch rechnet.

Während die Bahn nur ein paar Meter am Rand des Tales beansprucht, verbraucht die Straße heute streckenweise den Großteil der schönsten Wiesenflächen. Der brutalste Eingriff für Oberlainsitz, St. Martin und Roßbruck war der Ausbau Ende 80er/ Anfang 90er Jahre, wo die Trasse der erst in den 50er Jahren neu gebauten Bundesstraße völlig verlassen worden war, von Roßbruck bis knapp vor Oberlainsitz die Bachwiesen weichen mussten und dann der Bergrücken hinter dem Pölzlsägewerk durchschnitten wurde. In Roßbruck und in Oberlainsitz wurde je ein Bauernhof geschliffen, durch den Bergeinschnitt in Oberlainsitz das Ortsgefüge zerrüttet, stehen doch nun einige Bauernhöfe eingezwängt zwischen alter und neuer Bundesstraße und haben die Verbindung zu ihren Hauslüssen verloren. Eine Rennstrecke sticht von St. Martin in die Mitte von Oberlainsitz, wo sie für Kinder, aber auch für kreuzende Autofahrer eine große Gefahr darstellt. Geschwindigkeit ist das Maß dieser Verkehrspolitik, die Wirtschaftslobby von Gmünd verlangte eine schnelle Verbindung nach Linz, da fragte keiner nach ökologischen oder sozialen Auswirkungen des Straßenbaus. Eine Rückeroberung des Tales durch seine Bewohner ist noch nicht zu bemerken, sie freuen sich, wenn sie selber schnell in Gmünd sind und finden sich mit Rasern und Lärm noch weitgehend ab. Doch ist die Geduld einmal am Ende, dann werden die Lainsitzer schon auch einmal Deutsch reden mit ihren "Herren".

Nur in der oberen Oberlainsitz ist der Zustand der 50er Jahre in etwa erhalten geblieben. Rechts der Lainsitz die Bahn und der erneuerte Zeilerweg, links erst die Wiesen, dann die alte Bundestraße und noch enfernter, schon teilweise am Hang, der alte Fahrweg die Häuserflucht entlang.

Oberlainsitz ist ein Teil von St. Martin, an öffentlichen Einrichtungen gibt es nur die Kapelle im ehemaligen Armenhaus. Es gibt keinen Wirt, es ist ein Dorf von Bauern, einzelnen Handwerkern und Arbeitern. Viele Höfe stehen heute leer, ihr Grund wird von anderen mitbewirtschaftet, die Häuser sind noch da, verfallen oder werden zu einfachen Wohnhäuser umgebaut. Die Bauern wirtschaften alle nach ökologischen Gesichtspunkten, produzieren Milch, bauen Getreide - meist zum Eigenbedarf, haben einen kleinen Wald, füttern oft auch noch Schweine, Hühner und Kleingetier. Eine ausgeglichene Mischwirtschaft, die die Landschaft vielgestaltig erhält. Obwohl früher die Landschaft natürlich noch viel gepflegter wirkte. Man mähte die Raine, die steilen G'stecken, die Graben- und Bachufer, man baute Getreide auf steilen Hängen, dort wo heute schon wieder Wald steht. Der Wald wächst herein ins Dorf, verdeckt immer mehr Häuser, macht den einst hellen und bunten Talgarten dunkel und eintönig.

Ein Sägewerk gibt es am unteren Ende des Dorfes. Früher war es eine Mühle, gleich neben dem großen Freihof, der heute nicht mehr steht, an der Engstelle des Tales, wo die Lainsitz leicht nach Westen schwenkt, hinein nach St. Martin. Der Mühlbach entlang der alten Bundesstraße wächst zu und verfällt, der Betrieb arbeitet heute mit Strom.

Das Tal wurde von den Kuenringern im 12. Jahrhundert planmäßig gerodet und mit bayrischstämmigen Bauern besetzt. Der erste Hof rechts des Baches (heute Nr. 45) wurde dem Stift Zwettl geschenkt, die ersten beiden Höfe links des Baches (Nr. 1 und 2) gehörten zur Herrschaft Großpertholz, einige weitere auf der linken Seite (Nr. 11 bis 17) der Herrschaft Wasen (bei Lembach), die übrigen bis 1848 der Grundherrschaft Weitra.

Im Katastralplan von 1823 sieht man die Situation sozusagen noch in nuce (hier die Situation bei dem Pölzlwehr). Dem Fluss gehörte auch damals nicht mehr das ganze Tal. Links und rechts, etwas erhöht am Fuß des Hanges, je ein Fahrweg, keine Bahn jedoch und keine Bundesstraßen.

Das Tal ist in Flussrichtung kaum abfallend, in Steinbach ist es ein weiter Kessel, in dem die Lainsitz sich erst orientieren muss, um dann in das engere Tal nach Norden geleitet zu werden. Am Ende von Oberlainsitz, an der Engstelle bei der Mühle, knickt es ein wenig nach Osten weg, um St. Martin zuzusteuern. Auf der linken Seite überragt der Wachberg das Tal, die Lainsitz umschlingt ihn seit Harmanschlag in einer Dritteldrehung. Seit 1968 ist er durch seinen Sendemast von weitem auszumachen. Mit seinen 931 Metern Seehöhe überragt er das Tal um etwa 300 Meter. Vom "Waldviertelblick" aus sieht man weit über das genannte Gebiet, auch bis Zwettl und zum Stockzahn nach Arbesbach. Rechts des Flusses liegt nur eine Kuppe mit den Mühlbacher Feldern, erst am Ende von Oberlainsitz, nach dem Mühlbach, erhebt sich der Haselberg etwas höher. Hinter diesem jedoch steht der Grundberg, von dem aus ein herrlicher Blick über das Lainsitztal bis zurück zur Stegmühle möglich wäre, gäbe es nur eine unbewaldete Aussichtsstelle.
----------
Links:
Urlaub am Bauernhof: Höbarth
Schmalspurbahn: www.waldviertlerbahn.at, ebepe, Sebastian Erben, Martin Scherer, Waldviertler Schmalspurbahnverein, Herbert Rubarth, Robert Brütting

Onlinekarte von Oberlainsitz

GH Winter

Auf nach Norden

Schmied

Vorbei

Hoffnung

Helmreich

Kraftzentrum

Drehzentrum

Kompetenz-zentrum

Innovation
'55

Kleinhöfe

Winkelmühl Kitzler

Wasserzulauf versteckt...

...im Garten

100 Jahr

Dampfross-tränke

Am Bahndamm

In Erinnerung...

...an schönere Zeiten

Steinbach-mündung

Rückblick Südblick

Frisch voran...

...vorbei an stolzen Höfen...

...verdeckt
von Weiden...

...dem Zug entgegen

Nur der Bach für immer jung

Beengt im Tal

AltWehr

AltBadeort

Altmühlbach der Pölzlsäge

Bachwiesen

Geselligkeit

Zimmermann...

...mit Liebe...

...zum...

...kunstvollen...

...Handwerk

Durchschnitt

AltMacht

Bahn, Bach, Bundesstraße

Nebeneinander, jeder...

...für sich allein.

Zaungäste

Überm Bach

Fischgraben, Bahn, Lainsitz

Gardinen

Altweg, Weg, Bahn, Bach, AltB41, NeuB41

Bach, AltB41, Altstraße

Rückblick

Hoch-wasserkunst

Engstelle AltB41, Bahn, Bach

Am Pölzl-Sägewerk

Verschüttete Lebensader

Engstelle