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Zeichen auf dem Mandlstein
Denkmal für Geschichte und Natur

Der Mandlstein gehört sicher nicht zu den markantesten Gipfeln der Waldgebirge, die Böhmen umschließen. Schon allein die Nachbarn Vysoka (Hochwald) und Kraví hora (Viehberg) überragen ihn an Höhe und Profil. Und trotzdem ist er zum Naturdenkmal und zum Mahnmal der Geschichte geworden.

 

Der Mandlstein ist Denkmal der Vertreibung 1945

 

Was den Mandlstein hervorhebt: Er bietet eine überraschend weite Fernsicht hinein nach Böhmen. Und er liegt in Österreich. In Scharen pilgerten daher jene auf seinen Gipfel, die nach dem Zweiten Weltkrieg aus Südböhmen vertrieben worden waren. Für viele Jahrzehnte bot ihnen der Mandlstein die einzige Möglichkeit, ihre Heimat wenigstens aus der Ferne wieder zu sehen.

 

Im Internet fand ich die tschechische Studie "Kohoutí kříž - 's Hohnakreiz" und darin das folgende Gedicht von Luise Rienesl-Kralová, die aus Strobnitz stammt:  

Vom Mandlstein!

Geh mit! Vom Mandlstein do siachst du d'Hoamat!
I geh nit gern allon, weil i sunst woanat.
Wann i vor mir so seh die Dörfer in der Näh
Und sogar 's Elternhaus - dann ist mit mir aus.

Geh mit! Vom Mandlstein do siachst du d'Hoamat!
De Wies nah der Loa und a deis Gstoanat.
Der Hochsoa, der steht durt - und sogt koan oanzigs Wort
Und 's Bacherl tuat ganz ghoam ulliweil woan.

Geh mit! Vom Mandlstein so siagst du d'Hoamat!
Vergessen hots nou koan - wirs mancher moanat.
A Lüfterl wispelt dir zua in einem furt,
Und hoamlich rauschts im Wold: Kimm hoam recht bold!

[Rienesl-Kralová]

Der Mandlstein ist zur Gedächtnisstätte der Sudetenvertreibung ausgebaut worden. Beim Zugang zum Gipfel findet sich eine überdachter Gedenkaltar. Auf einer großen, polierten Granitplatte eine Gravur, die eine Familie beim erzwungenen Exodus darstellt: Der Vater schiebt einen beladenen Karren, trägt einen Rucksack. Die Mutter schleppt einen Koffer, trägt ein Kleinkind auf dem Rücken und zieht ein Mädchen mit, das mit seiner Puppe spielt. Ein kleines Hündchen begleitet die betrübten Vertriebenen. Eingemeißelt daneben in Kapitelschrift:

Mahnmal der Vertreibung 1945

Hass und Zank zu hegen
oder zu erwidern ist Schwäche -
sie übersehen und mit Liebe
zurückzahlen, ist Stärke.

                                      Adalbert Stifter

Gedenke der toten Heimatvertriebenen!

Auf dem einfachen Granitpfeiler davor, der als Katheder dient, ist ein einfaches Bild der Wallfahrtskirche Maria Trost von Brünnl angebracht. Diese Kirche war früher für Deutsche wie Böhmen ein lebendiges religiöses Zentrum. In der Zeit des Eisernen Vorhanges gab es keine Möglichkeit mehr, diese Kirche zu besuchen. Auch für Tschechen war der Ort ab den 50er Jahren verboten. Vom Mandlstein sieht man direkt auf diese nur sechs Kilometer entfernte Prunkkirche gegenüber.

Als nächstes trifft man auf ein großes Holzkreuz, auf dessen Balken groß geschrieben steht:

1956 Gedenke der Toten der Heimat

Darunter ein frischer Kranz mit demselben Text und der Namensbezeichnung "Klemensgemeinde Außenstelle Gmünd" auf rotweißroten Schleifen. Tags zuvor, wie immer am letzten Sonntag im August, hatte das "Mandlsteintreffen" dieser Vertriebenengemeinschaft stattgefunden. Unter den Hunderten Teilnehmer sollen auch immer zahlreiche Landespolitiker bei den Feiern sein.
 

Hinter dem Kreuz ist eine Metallplatte im Fels eingelassen:

In dankbarer Würdigung ihrer Verdienste für das Böhmerwaldmuseum in Wien wurde diese Gendenkplatte den Böhmerwäldlern Wilhelm und Anna Lindinger aus Krummau und Alt-Langendorf gewidmet. Verein Böhmerwaldmuseum in Wien. 26. 7. 1977

Ich bin allein heute hier heroben. Der Wind zieht stark von Böhmen herein, der nächste Ort ist kilometerweit entfernt, rundum nur Wald. Der mächtige Fels hebt einen über die Bäume, gegen Westen und Norden blickt man Hunderte Kilometer weit aus. Die am Fels angebrachten Zeichen werden die meiste Zeit keinen Leser haben, kein verständiges Gegenüber. Nicht einmal Vögel höre ich hier heroben, sie würden wenigstens die Inschriften sehen, wenn auch nicht verstehen. So bleibt nur der Himmel darüber, der vielleicht leer ist.

In der Güte liegt die größte Bekehrungskraft.
J. Gangl 1916
Hl. Agnes v. Böhmen     1989
Trösterin der Betrübten,
ihr vielen Märtyrer erbittet uns
weiterhin Freiheit u. Frieden

Polierter Granit, Frakturschrift. Kein Hinweis auf den Stifter dieser Gedenktafel, die auf der schmalen Seite einer gekippten Felsplatte eingelassen ist. Josef Gangl (1868-1918) war kein Zeitzeuge der Vertreibung. Er wurde in Deutsch-Beneschau (heute Benešov nad Černou) geboren und starb in Wien. Vielleicht ist es die Sehnsucht nach der böhmischen Heimat in seinen Werken, die ihn zum Sprecher der Sudetendeutschen werden ließ. Auffallend ist der versöhnliche Ton, der sich auch schon in dem Stifterzitat bei der Gedenkkapelle fand. Kein Aufruf zur Rache, sondern die Aufforderung, durch Güte den anderen zu bekehren. Agnes von Böhmen, Tochter von König Ottokar I., gründete 1231 in Prag das Spital des heiligen Franziskus mit einem Doppelkloster für Minoriten und Klarissinnen. Sie gilt auch als Gründerin des Ritterordens der "Kreuzherren mit dem roten Stern". Warum wird auf sie zurückgegriffen? Agnes wurde am 12. November 1989 von Papst Johannes Paul II. heilig gesprochen:

"So viele Pilger aus Böhmen, Mähren und der Slowakei haben sich nie vorher in der St. Peterskirche versammelt. Das kommunistische Regime konnte sich nicht leisten, ein so bedeutendes Ereignis vollständig zu ignorieren. Fünf Tage nach der Heiligsprechung brach in Prag die samtene Revolution aus. Viele Christen meinen, dass auch die heilige Premyslidin damals mit ihrer Fürbitte den Sturz des totalitären Regimes beschleunigt habe. "
 

[Martina Schneibergova: Heilige Agnes und Agneskloster, Radio Prag]

Auf der schrägen Oberseite der Steinplatte, nach Böhmen gerichtet, ist eine weiße Marmorplatte eingelassen:

Josef Gangl
Böhmerwalddichter
geb. 25. 8. 1868 Deutsch Beneschau
gest. 6. 9. 1916 Wien
In der Güte liegt die größte Bekehrungskraft
Josef Gangl
Landsmannschaft Hochwald (?) n. Josef-Gangl-Gemeinde
Wien 1956

 

Neben diesen vielen, von Sudetenverbänden stammenden Mahninschriften gibt es noch einige persönliche Gravuren ohne bedeutenden Hintergrund. Oft sind es nur Initialen und eine Jahreszahl, einmal findet man an prominente Stelle ein "A.R." mit einem von einem Pfeil durchbohrten Herzen. Manche mit Farbe oder Stift aufgetragenen Zeichen sind nicht mehr zu entschlüsseln, im Gegensatz zu einem deutlichen "Fuck" am Fuß des Felsens.

Ganz und gar nicht zu übersehen ist wiederum das in riesigen Letter gemeißelte

IFCASTELLI

ebenfalls unten an der großen, nach Westen gerichteten Wand des Felsens. Meines Wissens stammt es von einem Weitraer Castelli-Verein, leider sind mir aber nähere Umstände nicht bekannt, außer natürlich, dass der bekannte Dichter Ignaz Franz Castelli (1781 - 1862) die Ferien bei seinen Eltern in Weitra verbrachte. Sein Vater wohnte nämlich nach der Pensionierung in dem "Castellihaus" genannten Haus bei der Weitraer Stadtkirche.

Weitere Schriftzeichen finde ich auf einem Schild:

Achtung Staatsgrenze
60 m

Der Mandlstein ist auch und eigentlich Naturdenkmal!

Eine Gruppe von Inschriften habe ich bis jetzt noch nicht erwähnt. Es sind die mehrfach angebrachten Steintafeln, die darauf hinweisen, dass der Mandlstein ein Naturdenkmal sei. Und das schon seit 1927, wie ich dem Bezirksheimatkundebuch entnehme, also lange bevor die vielen Gedenktafeln, der Altar und das Kreuz angebracht bzw. aufgestellt worden sind. Dazu kommen auch noch die Bänke und Buden, die doch nur einmal im Jahr für die Festgäste gebraucht werden. Bitte, liebe Sudeten, achtet trotz eurer Trauer um die verlorene Heimat auch darauf, dass dieses einmalige Naturjuwel Mandlstein nicht unwiederbringlich zerstört wird!

Der Fels ist nämlich nicht nur interessant wegen seiner Größe und seines schichtartigen Aufbaus. Dem würden die oberflächlichen Veränderungen nichts anhaben. Bis zu 17m hoch sind die Granitquader auf 6000 Quadratmeter übereinander gestapelt. Der Fels ist aber vor allem interessant wegen seiner vielen Schalen an der Oberseite und der sogar vereinzelt vorkommenden Gruben an den Seitenwänden. In zwei der größeren Schalen oben steht Wasser, das Volk nennt sie Steinbrünnl. Viele der Vertiefungen haben organische Formen und werden wohl auf natürliche Weise entstanden sein. Andere wiederum mit genau kreisförmigem Querschnitt oder äußerst exponierter Lage erwecken zumindest den Eindruck, künstlich gebohrt oder geschliffen worden zu sein. Vielleicht sind es Zeichen einer längst untergegangen Kultur? Dieses Ensemble von eigentümlichen Oberflächenformen wird jedenfalls sehr empfindlich durch das Einarbeiten der verschiedenen Platten gestört.

Würdigungstafeln für besondere Verdienste könnten doch auch an Plätzen angebracht werden, die nicht als erhaltenswerte Natur eingestuft worden sind und wo sie von mehr Menschen gesehen werden!

Schalensteinberg

Der Mandlstein ist nicht der einzige Fels in der Nähe, der mit Schalen übersät ist. Die außergewöhnlichsten Gebilde befinden sich in den sackartigen Mugeln unten in Heinrichs. Der Gipfelfels des nahen Kudelring trägt ebenfalls mehrere Schalen. Man kann fast sagen, dass es auf der mit dem Mandlstein zusammenhängenden Erhebung ungewöhnlich ist, wenn ein mehr als faustgroßer Stein keine Schale trägt!

Die Heinrichser haben einen Erlebnisweg angelegt, der fast vierzig Stationen mit immer neuen, aufregenden Naturerscheinungen aufwarten kann! Holen Sie sich in Heinrichs bei den Paschers (Hausnr. 65) die Begleitbroschüre und dringen sie ein in die Welt der Schalensteine. Ihre Phantasie wird sie weit aus dem Alltäglichen entführen, viel weiter, als sie jeder Charterflug bringen könnte!

Brünnl

Gedenkkreuz

Temelin

Mahnmal

Auf Nachbargipfel

Brünnl

Naturform

Vorsicht Grenznähe!

Steinbrünnl I

Mehr im Begleiter!

Steinbrünnl II

Marmor

Naturform?

Agnes hilf!

Merkwürdig

Zeichen

Zerklüftet

Dank

Abenteuerliches

Heimat

Fels

Gedenken

Seitliche Schalen

Darstellung

Mauer

...was here!

Tuchenten

Markierung

Polster

Castelli...

Rhinozeros

...was here?

Weitra

Warnung

Gmünd

Wegweisung

Sitz

SteinWaldHimmel

14°48.68' Ost,...

... 48°43.61' Nord

 

Sch(l)ussplatz am Moor