Die Langfelder, das ist einmal die lange Gerade, auf der man mit 16 Jahren sein Moped austestet. Gewissermaßen eine Normstrecke für die Höchstgeschwindigkeit des Gefährts. Dabei wird natürlich in abfallender Richtung gefahren, von der Anhöhe bei Roßbruck nach Schützenberg hinunter. Die Geschwindigkeit, die man beim Schmalzbauer erreicht, zählt.

Die Langfelder, das ist weiters die Ebene, auf der diese Gerade liegt. Die Bundesstraße, die ab Steinbach dem engen Tal der Lainsitz folgte, verlässt dieses bei Roßbruck und steigt sanft etwa 30m an. Oben tut sich plötzlich eine unerwartete Weite auf. Links im Nordosten fliehen die Felder eineinhalb Kilometer weit bis zu einem flachen, bewaldeten Hügel. Es sind die Langfelder Felder, sie bilden den eigentlichen Inhalt des Begriffes. Nach vorne reicht der Blick über die mehr als zwei Kilometer lange schiefe Ebene hinaus bis zu den Wäldern des Hügelzuges mit Eichberg, Waller und Bergfeld. Den Blick auf das Weitraer Schloss verhindert der Gansberg, der sich hinter Schützenberg ein paar Meter hoch wie eine Insel aus einem Meer erhebt. Rechts in geringem Abstand versperrt Wald die weitere Sicht. Er markiert die Kante zum "Graben", dem klammartigen Tal der Lainsitz, das parallel zur Straße bis Schützenberg folgt. Dort wendet sich die Lainsitz und quert die Ebene in ihrem tiefen Einschnitt. Die alte Straße führt in diesen hinunter, über die Lainsitz und windet sich drüben wieder bergan. Eine moderne Brücke täuscht dem Autofahrer eine ununterbrochene Ebene vor, so wie sie war, bevor die Lainsitz sie zerschnitt. Fährt man in umgekehrter Richtung, dann dominiert der Wachberg im Südwesten das Bild, auf seinen Gipfel scheint die ganze Gerade ausgerichtet .

Nach Hauer ist die Langfelder Ebene eine Aufschüttungsebene, die zur Zeit des Höchststandes des "Gmünder Tertiärsees" seicht mit Wasser bedeckt war. "Nördlich von Roßbruck und auch sonst ab und zu findet man auf dieser Ebene Rollsteine in kleinerer Zahl, die der Fluss bei seiner Einmündung in das breite Becken fallen ließ." Die Ebene liegt demnach in der Strömungsrichtung der Urlainsitz und wurde von dieser aufgeschüttet.1) Ich weiß nicht, wie aktuell diese Theorie heute noch ist, sicher ist nur, dass das große Wittingauer Becken mit der Gmünder Bucht in der Oberkreide, also vor mindestens 65 Mill. Jahren auf ähnliche Weise entstanden ist. Ob das Wasser dieses Beckens einmal bis zur Höhe der Langfelder reichte, also mehr als hundert Meter hinauf? Man findet tatsächlich keine größeren Felsen, was wirklich darauf hindeutet, dass der Boden nicht dem natürlichen Niveau des Urgesteins entspricht. In der Mitte der Ebene ist der Boden feucht, fast moorig, was sich aus dem schlechten Abfluss des Wassers ergibt. Auch an den Wänden der frisch ausgehobenen Gräben sieht man nur sandigen Boden, der kaum von Steinen durchsetzt ist. An einem umgestürzten Baum in dem kleinen Wäldchen in der Mitte hängt lehmige Erde.

Mein Vater achtete nicht auf die Straße, wenn er nach Weitra fuhr. Er schaute begehrlich auf die weiten, flachen, horizontalen und felsenfreien Felder. Solche gibt es nur hier in der Gemeinde. Die Felder von Oberlainsitz sind dagegen meist schräg, kurz, steinig, mit modernen Maschinen viel schlechter zu bearbeiten und wohl auch weniger ertragreich. Beim Ackern rupfen die Pflugscharen an Felsen, die nur knapp unter der Erde liegen. Kaum fährt man los, ist man schon wieder am Ende des Feldes angekommen. Bergan ächzt der Traktor, man kann keine wirklich großen Pflüge verwenden. Beim Dreschen kann der Mähdrescher kaum umkehren, so schmal sind die Lüsse. Die Bauern der Langfelder wissen von ihrem Privileg. Sie erzählen, dass ihre Felder so steinig seien, dass man nicht einmal Kartoffel anbauen könnte. Sie sagen es, um die Bauern des Tales weiter aufwärts nicht allzu sehr zu verbittern.

Wo sind überhaupt die Höfe, von denen aus die Felder bewirtschaftet werden? Die Bauernhöfe stehen allesamt entweder in der Mulde verborgen, knapp noch oben auf der Ebene, oder tief unten im "Graben" an der Lainsitz. Es sind sogar vier Dörfer: Schöllbühel, Anger, Langfeld und Schützenberg. Sie bildeten einst das herrschaftliche Amt "Lainsitz". Im Jahr 1850 wurde aus dem Amt eine eigene Gemeinde mit 179 Einwohnern. 1971 wurde Langfeld an St. Martin angeschlossen. Doch davon mehr in einem eigenen Kapitel über diesen markanten Abschnitt der Lainsitz.

Direkt auf der Ebene steht einsam das Gasthaus Schmalzbauer und an ihrem Rand noch die Kapelle "Maria Altötting". Sie gehört zum Ort Langfeld, wurde 1745 erbaut und 1759 mit päpstlichen Ablässen privilegiert. Ihr Bauherr, der Kriegszahlmeister Josef von Weinpolter, soll sie aufgrund eines Gelübdes neben seinem Elternhaus errichten haben lassen. 2

Schauen Sie sich das alles an. In den Bildern und, noch besser, in der Realität!
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Die Langfelder auf AustrianMap online

1) Rupert Hauer, Die Flußsystem des n.-ö. Waldviertels (Gmünd 1952) 28

2) Heimatkunde des Bezirkes Gmünd. Begründet von Rupert Hauer, neu bearbeitet und ergänzt von einer Arbeitsgemeinschaft unter Walter Pongratz und Paula Tomaschek (Gmünd 1986) 592