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Nepomuk, schuldlos versetzt

 

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...aus 2002...

 

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Das Winterwunder von Gmünd
Von der Johannes- bis vor die Ganausbrücke am 5. Jänner 2004!
 

Nepomuk gehört auf seine Brücke

Es hatte die ganze Nacht geschneit und es schneite den ganzen Vormittag weiter ohne Unterlass. In Wien brach der Verkehr zusammen an diesem Fenstertag zwischen Sonntag und Heilige Drei Könige am Dienstag. Die B41 von Oberlainsitz nach Gmünd dagegen war einwandfrei zu befahren, also brachte ich die Schier wie vorgehabt zum Stöckl, damit die Kanten nachgeschliffen werden, die Bindung eingestellt und der Belag ausgebessert wird. Die Chefin dort kehrte Schnee vom Eingang weg, der Wind blies doppelt soviel wieder zurück. Sie stöhnte über die modernen großen Fenster, die bis zum Boden reichen und durch deren Rahmen die Feuchtigkeit des Schnees eindringe. Hinten in der Werkstatt beschied man mir, dass es zwei Stunden dauern würde, bis die Schier fertig wären. Wurscht, gehe ich derweil zur Lainsitz, dachte ich mir, machst ein paar Bilder von dem Stück nach der Johannesbrücke, es fehlt dir ja sowieso noch die ganze Strecke von dort bis zur Ganausbrücke bei Breitensee in der Sammlung.

Das Auto parkte ich mit Mühe gegenüber dem Kino Prinz, zum Glück war es noch zu früh, sonst wäre ich vielleicht bei "Findet Nemo" gelandet oder in "Herr der Ringe III", 16:45 bzw. 20:15. Der Abendfilm wird hier gleichzeitig mit dem Hauptabendprogramm des ORF gestartet, ein ORF 3 quasi, das lokal gesendet wird.

Unten, an der Kreuzung vor der Brücke unterhalte ich mich mit der frierenden Statue des hl. Johannes von Nepomuk, die ein wenig traurig wegen des Wetters, aus einem ganz anderen Grund aber vollkommen down ist. Bis 1884 durfte sie auf einem Pfeiler der alten Holzbrücke in der Mitte des Flusses über dem fließendem Wasser thronen. Dafür hatte sie Brücke und Mensch vor Hochwasser zu bewahren. Dann rückte man sie herüber zur Bodenstorfermühle, wo sie seitdem im Winkerl stehen muss. Und das ganz ohne eigenes Verschulden! Der Bezirksstraßenausschuss hatte eine eiserne Brücke errichten lassen, die so schmal war, dass nicht einmal für Fußgänger genug Platz war, schon gar nicht für die Statue.1) "Ich würd' mich nach der Versetzung auch nicht mehr so richtig zuständig fühlen für die Wassergüss", sag' ich zu ihr. "Aber vielleicht denkt man wieder um, nach dem Hochwasser vor eineinhalb Jahren, der Versetzungsgrund ist mit dem Bau einer neueren Brücke weggefallen, man könnte Sie relokalisieren."

Wie alt ist die Nepomukstatue? Die Aufschrift am Sockel ist ein Chronogramm, hervorgehobene Buchstaben des Textes sind als römische Ziffern zu verstehen: "DIVUs Ioannes nepoMVCenVs sIt noster perpetVVs patronVs CVstosqVe honorIs m. t. c. d. g. precatur". Wenn ich richtig zusammenzähle, ergibt das die Zahl 1749. Wenn ich richtig abziehe, dann steht die Statue genau 255 Jahre, davon 135 Jahre auf der Brücke und - seit der Strafversetzung - 120 Jahre an der Kreuzung.

Am Abend nach dem Abenteuer versuchte ich vergeblich das Jahr der Errichtung auf der Homepage der Stadt finden, dafür bekam ich die viel wichtigere Information, dass die Statue "1959 über Auftrag der Gemeinde und dann 1975 anlässlich des Neubaues dieser Brücke vom Bundesland Niederösterreich neuerlich restauriert" wurde. 2) Ehre wem Ehre gebührt! Ein schönes zusätzliches Datum wäre 2004 - für die Rückbringung der Statue zu ihrem ursprünglichen Aufstellungsort in der Mitte der Brücke!

Johannes Nepomuk kam 1396 zu Tode auch in Wassern unseres Flusses, als er nach Gefangenschaft und Folter in Prag in der Moldau ertränkt wurde. Erst Jahrhunderte später wurde er in Böhmen, insbesondere von den Jesuiten, als Gegenfigur zu Jan Hus aufgebaut und posthum zum populären Star der Barockzeit gemacht. In Volksstücken und Liedern ließ man ihn aufleben, auf der Karlsbrücke in Prag errichtete man 1693 die erste Nepomukstatue, die zur Vorlage für Tausende ihrer Art in unseren Ländern wurde. In Gmünd steht Nepomukstatue Nr. 1 an der Lainsitz, in St. Martin oben die erste Statue am Fluss überhaupt: sie stellt den heiligen Josef dar.

"Mir fehlen noch Bilder von der Lainsitz von hier bis Breitensee. Aber bei dem Schnee und bei der Kälte ist nicht daran zu denken, die Strecke abzugehen. Es müsste nur für zwei Stunden Sommer sein!" klage ich dem aus Pomuk. Kaum gedacht, ist es wirklich Sommer, der Fluss vom Eis befreit, meine Buben stehen auf einmal lärmend um mich herum und schimpfen, dass sie mitgehen müssen! Das Datumsfeld meiner Uhr zeigt die seltene 32, dem Wetter nach ist es August. OK, dafür werde ich auf jeden Fall in meinem Beitrag über diese Strecke schreiben, dass deine Statue auf die Brücke gehört, gütiger Jan Velflín aus Pomuk!

Raus aus der Stadt

Die Johannesbrücke in Gmünd führt unmittelbar zum Grenzübergang nach Tschechien. Etwas weiter oberhalb ist der Bach Grenzfluss gewesen, hier, wo die Lainsitz zu einem weiten Linksbogen ansetzt, gehören noch einmal beide Ufer zu Österreich.

Der Fluss kommt waagrecht zur Brücke und stürzt danach, zwischen großen runden Granitrestlingen eine beträchtliche Stufe hinunter. Zuletzt ging es weit oben im Weitraer Ledertal so stürmisch her, dazwischen liegt ein Dutzend Kilometer des gemächlichen Dahinfließens.

100 Jahre: Fünf Mühlen / Keine Mühle

Es ist keine Frage, die Kuenringer haben ihre zwei Städte an der Lainsitz dorthin gesetzt, wo der Fluss Kraft genug hat, um die Wasserräder der unterschiedlichsten Gewerbe zu treiben. Diesem Standortvorteil verdanken Weitra und Gmünd ihre Entstehung. Alle Gmünder Wasserkraftanlagen waren rechts des Flusses, also auf Stadtseite, entlang der Mühl(!)gasse aufgefädelt. Komlosy3) listet 1997 auf:

Mühlgasse 1

Hofmühle/ Bruckmühle/ Bodenstorfer Mühle 1569-1978 stillgelegt

Mühlgasse 5

Bürgermühle/ Mittelmühle/ Pilz Mühle, Säge 1569-ca. 1950 stillgelegt

Mühlgasse 13

Thürlmühle/ E-Werk Fichtinger/ NEWAG Mühle, Säge, Lohstampfe, E-Werk 1569- ca. 1968 stillgelegt

Mühlgasse 30

Weißgerberwalke Lohstampfe 1693-1839 abgetragen


Dwirka nennt 1905 in seiner Stadtgeschichte außer den angeführten sogar noch eine fünfte Mühle.4)

Heute ist der Fluss hier, wie in Weitra, als Energiespender ungenutzt. Doch nicht nur das. Wertet man nur nach dem, was man als unvoreingenommener Wanderer sieht, so erscheint der Fluss als ungeliebter Teil der Stadt, der wie ein behördlich einquartierter Fremder geduldet werden muss, dem man aber bei jeder Gelegenheit spüren lässt, dass er lästig ist, indem man ihn schlecht behandelt. Zugegeben, die Lainsitz hat letztes Jahr im Sommer gerade in Gmünd sehr gewütet und vieles zerstört. Schuld kann man einem Wesen der unbelebten Welt aber keine zuschreiben, schuld sind doch einzig und allein nur die, die das Bauen so knapp neben dem Fluss genehmigen und jene, die dort Häuser und Mehrfamilienhäuser bauen. Nachdem der Fluss die Menschen sein Wüten spüren ließ, drehten die Gmünder den Spieß um und ließen ihrerseits ihre Wut an ihm aus. Mit hässlichen unbehauenen Steinplatten mauerten sie die Lainsitz ein. Sie läuft jetzt Spießruten von der Brücke bis zur Mündung an der Stadtgrenze, man eskortiert sie gewissermaßen auf kürzestem Weg hinaus vor das Tor und lässt sie keinen Millimeter mehr links oder rechts abweichen. Könnte ihr sonst einfallen, hier zu bleiben und sich in der Stadt verstecken, die Diebin!

Vernachlässigtes Gemünde

Das Gemünde selbst, das der Stadt den Namen gab, gestaltete man im Stil einer öffentlichen Bedürfnisanstalt. Geschieht ihr recht der Lainsitz, wird man gedacht haben, als man  ein unansehnliches "Wasserwerk" und einen öden Parkplatz für die Besucher der Innenstadtgeschäfte an die Mündung setzte.

Eine städtebaulicher Makel und eine vergebene Chance. Unverständlich, wo man doch sonst in der Stadt auf den Umstand, am Zusammenfluss zweier Flüsse zu liegen, so viel Wert zu legen scheint. Ein Tourist, der daraufhin die Mündung besucht, muss enttäuscht sein! Auf der Homepage von Gmünd präsentiert man sich stolz als Mitglied des Vereins "Gmünder in Europa", man schickt Delegationen zu den alljährlichen Treffen, 2001 veranstaltete man die Hauptversammlung der "Gmünder in Europa" hier in der Stadt.5)

"Der Zusammenfluss von Lainsitz und Braunau symbolisiert auch das Logo der Gmünd-Homepage" heißt es an der angesprochenen Stelle. Wäre das Logo nicht, wer weiß, vielleicht hätten die beiden Flüsse sich ohnehin schon einen anderen Ort für ihren Zusammenfluss gesucht?

Hinaus in die Freiheit

Ein paar gemeinsame Fließsekunden und unsere Lainsitzbraunau ist frei! Ein überwältigender Kontrast zur zerschundenen Strecke davor. Die "Lainsitzniederung", seit wenigen Jahren Naturschutzgebiet, präsentiert sich in voller Pracht. Gerade das Hochwasser des letzten Jahres dürfte die außergewöhnliche Vielfalt der Natur in diesem Sommer bewirkt haben. Das alte Gras, das alte Schilf wurde überdeckt von Schwemmsand und Kies, auf den Schotterflächen wachsen exotische Pflanzen, die großen Schilfflächen zeigen sich im tiefen, frischen Grün junger Triebe.

Ungenutzter Reichtum Lainsitzniederung

Es ist nicht leicht, dem Fluss durch diese Wildnis zu folgen. Kein Weg, kein Steg, der für Wanderer angelegt worden wäre. Hält man bewusst die Menschen von diesem Naturwunder fern oder ist es gleich die nächste Chance, die Gmünd nicht nutzt, nicht nutzen kann? Welche andere Stadt leistet sich ein Naturschutzgebiet dieses Ausmaßes und versteckt es vor eventuell interessierten Besuchern?

Uns soll's recht sein, wir sind es gewohnt, uns neben dem Bach durchzuschlagen, und der Lainsitz ist es gleich, ob sie bestaunt wird oder nicht. Direkt von der Mündung weg ist auf der linken Seite gar kein Durchkommen möglich. Man muss um einige Häuser herum, um wieder zum Fluss zu gelangen, der jetzt durch ehemalige Bachwiesen frei dahinpendelt. Exotische Pflanzen haben sich auf dem angeschwemmten Kies angesiedelt. Durch Schilf und hohes Gras gelangen wir zu einer Stelle, an der die Lainsitz links eng an die Talwand heranströmt. Oben auf der Kuppe stehen die letzten Häuser von Böhmzeil. Ein mit kleinen kreisrunden Löchern übersäter und von Flechten bewachsener Restling bei einer Eiche zieht uns an. Vorbei an einem streng abgezäunten Gärtchen mit allerlei Sträuchern und Bäumchen kommen wir zu einem neuzeitlichen Parallelstrom der Lainsitz, der Schmalspurbahn Gmünd-Litschau. Da unten im Tal wieder einmal kein Weiterkommen möglich ist, folgen wir dem mehr als hundert Jahre alten Schienenstrang einige Meter oberhalb des Baches.

Es gibt gelbe Lainsitzrosen!

Ein Weg quert die Schienen, steigt ins Tal hinab, führt durch die Wiesen an seine andere Seite, wohin sich die Lainsitz mittlerweile geschlagen hat, führt über eine Brücke und mündet in die Straße Gmünd-Grillenstein-Eibenstein-Breitensee auf der rechten Flussseite. Gut, dass es diesen Weg gibt, der das Naturschutzgebiet für Spaziergänger wenigstens an einer Stelle in Querrichtung erfahren lässt. So kommt man einmal heran an eine Lahn, die selbst in diesem Sommer, dem trockensten seit Jahrzehnten, mit Wasser gefüllt war. Schilf an den Ufern, die Wasseroberfläche in einem unbeschreiblichen gelben Grün, dazwischen die großen Blätter der gelben Teichrose (nuphar lutea), deren Blüten sich auf festen Stängeln weit herausheben aus der dunklen Suppe. Ein Lahn ist auf gut Deutsch eine Senke oder Einbuchtung, hier eine Delle, die der Fluss selber seinem Tal zugefügt hat. Es sind Altarme, die abgeschnitten wurden und die in jeder Au zu finden sind.

Viel Interessantes über die Lainsitzniederung erfährt man in dem Buch "Universum vor der Haustür" von Ernst Wandaller und Dieter Manhart.6) Wandaller gilt als der Vater des Naturschutzgebietes hier am Fluss, er leistet die schwere Aufklärungsarbeit, die nötig ist, um den Menschen den Wert des noch Alltäglichen aber eigentlich schon Gefährdeten begreifbar zu machen. Besonders die Belassung der Veränderungen im Tal, die durch das Hochwasser im vorigen Jahr entstanden sind, dürfte für viele Gmünder nicht selbstverständlich gewesen sein. Am liebsten hätte man wohl der Lainsitz einen schönen geradlinigen Abfluss bis zur Grenze besorgt, wie man ihn ihr, wie oben angesprochen, im Bereich der Mündung verpasst hat.

Flussname neu interpretiert

Um der Etymologie des Flussnamens eine eigene Variante hinzuzufügen: Die Gmünder sagen, als feine, urbane Leute, "Lahsitz", so wie sie statt "Zau" lieber "Zahn" zum Zaun sagen würden, um nur ja nicht vom Reden her zu den gemeinen Dorfbauern geschlagen zu werden. Diese, weiter oben am Fluss, sagen wirklich noch "Loa" und nicht "Lahn" oder gar noch feiner "Lahne" zu einer Delle, egal, ob sie nun das Blech eines Traktors verunziert oder eine Mulde in der Bachwiese ist. Statt "Lahsitz" heißt's daher bei ihnen "Loasiez".  Die Lainsitz ist also der Fluss, der in der Mulde fließt. Was als Name wiederum verwundert, weil diese Umstand ohnehin  jedem Fluss zu eigen und daher nicht sehr bezeichnend ist , oder wissen Sie von einem Fluss, der einen Bergkamm entlang fließt?

Museale Bahnlinie

Wie sie an den Bildern links sehen, mussten wir wieder zurück, hinaus aus der Super-Lahne Lainsitztal. Dem Fluss am Ufer zu folgen, daran war weiter nicht zu denken. Überall Lahnen, Sümpfe, Schilf, undurchdringliche Wildnis. Auch oben kein Weg entlang des Tales, nur der eiserne Pfad der Schmalspurbahn, dem wir notgedrungen folgen. Vorbei an einem Betonmischwerk der Firma Leyrer und Graf in Begleitung einer streunenden Katze.

Bevor Sie über das mangelnde Verantwortungsbewusstsein des Autors, der auf den Schienen einer Bahn geht und dies öffentlich bekennt, in Rage kommen, sei Ihnen zu Ihrer Beruhigung mitgeteilt, dass hier seit 1992 kein regelmäßiger Zugsverkehr mehr stattfindet. Im August 2003 fuhr man laut Information von www.waldviertlerbahn.at nur an Sonntagen einmal von Litschau nach Gmünd und wieder zurück. Am 32. August fand laut diesem Plan keine Zugfahrt statt.

Auf der genannten Seite erfährt man auch einige historische Details der Bahn. Nachdem die Franz-Josefs-Bahn 1870 fertig war, plante man von Gmünd ausgehend Nebenstrecken nach Nord und Süd. Die Streckenführung nach Litschau wurde 1896 fixiert, 1899 begann man zu bauen und nach 15 Monaten, am 4. Juli 1900, konnte die Bahn Gmünd-Litschau mit Abzweigung Altnagelberg-Heidenreichstein eröffnet werden. Klappe. Am 1. Juni 1986 wurde der planmäßige Personenverkehr schon wieder eingestellt, am 29. Mai 1992 fuhr der letzte Güterzug. Seither versucht man die Strecke durch Sondermaßnahmen als "touristische Infrastruktur" zu erhalten. Im ganzen Jahr 2003 gab es auf der Nordstrecke elf Verkehrstage, an denen Personenfahrten durchgeführt wurden. 7)

Der Bahnkörper, die Schotterauflage, die Schwellen und Gleise, alles anzulegen wird viel Geld und Arbeit gekostet haben. Die laufende Wartung wird viel Geld und Arbeit kosten und man wird sich das nicht für immer leisten können, wenn es auf der anderen Seite kaum Einnahmen gibt. Besuchen Sie also diese Bahn, gehen Sie den Schienen an verkehrsfreien Tagen entlang durch eine wunderbare Landschaft oder fahren Sie an einem der besonderen Tage mit dem Zug. Beeilen Sie sich, es ist nicht vorauszusehen, wie lange es diese Bahnlinie noch gibt.

Railwaybridge

Die Katze bleibt zurück, die Gleise führen in eine Kurve nach rechts und schicken sich an, die Lainsitz zu queren. Was Sie hier zu sehen bekommen, mitten in einem der schönsten Täler Europas, werden Sie nie wieder vergessen. Ein sanftes, breites Tal, ein ruhiger Fluss, darüber ein Viadukt mit drei eleganten Bogen, Betonbogen überraschenderweise, wie neu. Das Hochwasser hat hier nichts unterspült, die Brücke ist völlig unbeschädigt. Durch die Anschwemmungen nach der Brücke hoch oben auf der Wiese kann man ermessen, wie viel Wasser damals hier durch floss. Blaues Schild: Lainsitz Viadukt Länge 50m.

Kein Haus weit und breit zu sehen, keine Straße. Wald an den entfernten Hängen des Tales, hohes, junges Schilf in kräftigem, blauem Grün, die Weiden oliv, das Bachbett in lehmigem Braun, der Himmel blau und weiß. Wo ist man hier? Im Westen Amerikas vor 150 Jahren? In Südfrankreich?

Diese Brücke eine zukünftige Ruine? Sie ist wie neu, doch vom wirtschaftlichen Standpunkt völlig unbrauchbar und wertlos. Sollten wirklich einmal größere Reparaturen nötig sein, so werden die Idealisten, die jetzt die Strecke zu erhalten suchen, die nötigen Mittel nicht auftreiben können. Und dann?

Man sollte das Bauwerk schon allein deshalb erhalten, um künftigen Architekturstudenten einen Begriff von Ästhetik, vom Zusammenspiel von Natur und Architektur, von der Einheit von Funktion und Form vermitteln zu können. Was heute oft als Brücke hingesetzt wird, ist ein Betonklotz auf Betonklötzen, eine Gruft für den Fluss darunter, eine Zerstörung des Ortes. Die Leute damals kannten kein Feng Shui und kein CAD, aber sie hatten eine Beziehung zur Welt und ein Gespür für die Landschaft.

Die Brücke könnte darüber hinaus eine gewisse Einmaligkeit besitzen. Gerhard Urban vom Waldviertler Schmalspurbahnverein schrieb mir dazu im vergangenen Herbst:

"Wie Sie sicherlich mittlerweile wissen, waren Lainsitzviadukt und 
Braunaubachbruecke nahe Aalfang die erste Anwendung von Stahlbeton im 
Eisenbahnbrueckenbau der oesterr.-ungar. Monarchie.
Aus Vergleichsgruenden, soweit ich weiss, wurde fuer den 
Lainsitzviadukt die Bauart Mounier (Patent, Stahlbeton) verwendet, 
waehrend fuer die Braunaubruecke das System Wayss (ebenfalls Patent, 
Stahlbeton) zur Anwendung gelangte.
Beide Bruecken wurden - da man anscheinend der zur Bauzeit noch 
jungen Stahlbeton-Technologie nicht voellig traute - im 
Vierteljahresabstand von 1900 bis zumindest in die 1930er Jahre (eine 
Quelle meint sogar bis ca. 1960) regelmaessig statisch untersucht."

Zurück zur Natur: Ein Graben mündet einige hundert Meter unterhalb des Viadukts in die Lainsitz. Darin grauer, feiner Lehm. Eine Sensation für die Buben, die das erste Mal in ihrem Leben diesen Rohstoff als natürliches Vorkommen erleben. Ich nehme einen Klumpen davon mit.

An der Landesstraßenbrücke angekommen, von der man schon zur alten Ganausbrücke sieht, streiken die Buben. Ich muss allein das letzte Stück gehen. Kaum setze ich einen Fuß auf die wunderschöne, eiserne Brücke der Eisenkonstruktionsfirma Gridl aus 1900, plötzlich friert alles ein, unberührter Schnee wächst herauf bis zu den Knien. Die zwei Stunden sind um! Meine Buben sind verschwunden, das ganze Tal liegt einsam und tief verschneit vor mir. Ich stapfe auf der Landstraße zurück nach Gmünd. Dort danke ich Nepomuk für das außerordentliche Entgegenkommen. Noch einmal sei's gesagt: Diese Statue gehört auf die Brücke, liebe Gemünder!

Die Schier waren fertig, als ich zurück zum Stöckl kam. Als ich zahlte, bemerkte ich den schweren Klumpen in der Jackentasche, es war der vollkommen hart gewordene Lehm aus der Lainsitzniederung! Ich bewahre ihn seit dem als Beweis für die Wahrheit dieser Geschichte in meinem Schubladenkästchen auf, zusammen mit den vielen anderen Fundstücken von meinen Flusswanderungen.

Schauen Sie sich die Bilder an, die ich auf der Speicherkarte meiner Kamera fand und Sie werden mir die Geschichte glauben! Wer mich in Wien besucht, kann auch den Lehmklumpen sehen und berühren, damit er glaubt.


1) Friedrich Dwirka: Die Stadt Gmünd in Niederösterreich (Krems 1905) S. 58

2) Nicht mehr im Netz

3) Andrea Komlosy: Der Fluß als Wirtschaftsfaktor. In: Die Lainsitz, Natur- und Kulturgeschichte einer Region. Hrsg. von Herbert Knittler und Andrea Komlosy (St. Pölten 1997)103-130, S. 110

4) Dwirka, S. 26

5) Nicht mehr im Netz

6) Ernst Wandaller und Dieter Manhart: Universum vor der Haustür. Die außergewöhnlichen Naturschätze des Raumes Gmünd (St. Pölten 1999). Siehe vor allem das Kapitel Lainsitzniederung S. 90-136

7) http://www.waldviertlerbahn.at/wvbahn/strecke/geschichte.htm
 

Weitere Links:

Stadtgemeinde Gmünd / Die Lainsitzniederung auf austrianmap.at

Waldviertler Schmalspurbahnverein / Waldviertelbahn Nordteil

Joseph Monier