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Der Weg zur Arbeit
oder
Die Annäherung

Die Lainsitz von Joachimstal bis Stegmühl'
(2002)

Die Lainsitz hat ihre erste Stelle in Joachimstal schon lang verloren. Heutzutage kann sie erst in der Stegmühl' zu arbeiten beginnen. Der Weg dahin führt an einem anderen ehemaligen Arbeitsplatz vorbei: am Eisenwerk.

Der Kontakt zu den Menschen ist in Joachimstal äußerst zaghaft geblieben. Der Fluss blieb die ganze Zeit im Wald bedeckt, nie trat er offen ans Licht. Am Ortsausgang das selbe Spiel: Die Landstraße nach Fischbach kreuzt seinen Lauf. Die Berührung mit der Zivilisation dauert nur kurz. Knapp vor der Brücke erst springt die Lainsitz ins Freie, huscht unter die Brücke durch und ist flugs wieder im Wald verschwunden. Sie schlägt ein paar Haken, so, als würde sie ihre Freude über das gelungene Versteckspiel zum Ausdruck bringen wollen. Links hellt sich das Ufer für kurze Zeit durch eine Wiese auf, um gleich wieder in das Dunkel des Waldes zu fallen.

Da der Flusslauf noch sehr flach ist, wurde durch das Hochwasser Sand angeschwemmt. Glas- und Tonscherben finden sich zwischen Granitbrocken, Sand und Schotter. Das Wasser ist in breiter Front durch den Jungwald geströmt, hat Geäst an die Stämme gedrückt und damit bizarre Skulpturen geschaffen. Tümpel blieben zurück, in denen sich das Eisen aus dem Boden löst und das Wasser zum Brennen bringt. Luft und Licht des Himmels spiegeln sich in diesen Wasserfeuern, Erde mischt sich darein. Gras drückte das Wasser zu Boden und legte es zu einem gebürsteten Fell. Die Wurzeln von Fichten legte es frei, der Boden ist dort erdlos, und der Wanderer steigt auf die offenen Nerven dieser Wesen, Nerven und Adern, die sonst in fleischigen Humus gebettet sind.

Das Tal wird abschüssiger, das Wasser stolpert über granitene Steine, die Lainsitz frischt auf, nachdem sie die letzten ruhigen Stellen passiert hat, wo ihr Bett noch sandig war. Am Ufer immer wieder herausragende Baumindividuen, Buchen meist, die ihren Ort dominieren. Der Wald herum wird höher, lichter, weiter, spannt Säle auf, in die durch kleine Fenster an der Decke Licht herunter fällt, wie in gotischen Kathedralen. Wie bisher, auch hier kein Mensch zu sehen. Vegetation lebt hier und, in ihr versteckt, vereinzelt scheues Wild. Wanderer, ruh dich aus hier. Vergiss Raum und Zeit, das Rauschen der Luft und des Wassers hebt dich weg aus allem Menschlichen, lässt dich teilhaben an einer anderen Welt, unbeschreiblich, unnennbar, ewig.

Das Wasser bleibt nicht stehen, muss weiter, kommt nun schon in Rufweite eines Hauses, am Ufer Ruinen menschlicher Anlagen, die einst der Eisenerzeugung dienten. Schlackeklumpen finden sich jetzt unter den Flusssteinen. Die Brücke, über die eine Mountainbikestrecke führen soll, hat die Flut weggerissen, nichts davon übrig gelassen. In einer Kurve wieder Steinmauern, heute nur noch zur Abzweigung eines kleinen Rinnsales, der vielleicht einst, in kräftigerer Form, der Mühlbach des Hammerwerkes war. Vor knapp mehr als zweihundert Jahren erst ist hier ein bedeutendes Eisen-, Schmelz- und Hammerwerk gegründet worden, das anfangs sogar lokale Eisenvorkommen nutzte, schürfte und verhüttete. Später verarbeitete man böhmische Erze, bis nach etwa neunzig Jahren Bestand 1881 das Werk schon wieder aufgelassen wurde. Heute leben wieder Menschen hier, die den Ort in eine Idylle verwandelt haben.

Die Häuser markieren den Übergang in eine neue Phase des Flusses. Das Tal verflacht sich, der Wald wird verdrängt von saftigen Wiesen, der Bach zieht weite Mäander, hier leben und wirtschaften Menschen - wenn auch nur vereinzelt - am Fluss. So als würde ihn das noch immer erzürnen, hat der Bach beim letzten Hochwasser gerade hier toll gewütet, Weg und Steg des Nord-Süd-Weitwanderweges weggespült. Die Lainsitz schoss gerade ins Tal, kümmerte sich nicht um ihr jahrhundertealtes Bett und musste mit Gewalt von einem Klagenfurter mit seinem Bagger wieder in dieses zurückgeführt werden.

Vorbei an einer wunderbaren Menschenstatt eilt das Wasser weiter gen Osten, begleitet von der alten Böhmischen Straße, von der Mauerreste zeugen, bis zum ersten, tatsächlichen Wehr. Hier leitet der Steghofwirt Wasser in seinen künstlichen Bach, hier teilt er den Fluss in einen Alt- und einen Mühlbach, das eine Wasser bleibt frei, das andere rüstet sich zur Arbeit. Während der eine Bach weiter ungestüm seine Schleifen in der Wiese ziehen kann, muss der andere schnurstracks zum Mühlrad - heute zu einer Turbine - laufen.

Licht, das ist das Neue hier für unseren Fluss. Links und rechts der Wald ist bis zum Fuß der Hügel zurückgestutzt, Bauern mähen die Wiesen und schneiden die Uferstauden zurück, so dass der Blick frei bleibt und sich so erst eine Landschaft zeigt, so erst die Form der Erde sichtbar wird. Das Tal wird geräumig, die Menschen sehen den Lauf des Baches von weitem, das Licht der Sonne bricht sich in den Wellen des Wassers. Vor der Mühle kann die Lainsitz schon weit nach hinten blicken, über ein offenes Tal, zurück zu den Wäldern ihrer Kindheit.

Nach der Stegmühle vereint sich wieder das Wasser. Das zweite Mal kreuzt die Landstraße den Flusslauf. Freien Blicks geht der Bach nun an die Brücke heran und zieht stolz hinter ihr weiter. Die ersten Kontakte zum Menschen waren angenehm, wozu sollte er auch noch scheu sein, wie am Anfang unseres Abschnitts?

-> Satellitenbild mit Eisenwerk

Kurzberührung Weiterspielen
Lichtblick Waschplatz
Luftsprünge Fellgras
Kunstwerk Moorfeuer
Grasfell Waldsandbank
Kühl Erdlosboden
Frisch Ruhig
Bewegt Flusswächter
Temperament Raumzeitlos
  Menschen-kontakt
Nachflutbrücke Annäherung
Mühlsal Menschenhütte
Exeisenwerk Reconquista
Rückführung Menschenstatt
Au Böhmstraße
Kampfspuren Schutzherr
In die Freiheit Zur Arbeit
Alt- und Mühlbach Licht
Freunde Talweit
Rückblick Flusslehrstelle