Ringstraße
Eisenkonstruktionen: Ignaz Gridl

Frau Dipl.-Ing. Dr. Ute Georgeacopol, Assistenzprofessorin am Institut für Kunstgeschichte, Denkmalpflege und Industriearchäologie an der TU Wien, ist eine ausgewiesene Gridl-Fachfrau. Sie gab zusammen mit Prof. Manfred Wehdorn das Buch "Baudenkmäler der Technik und Industrie in Österreich" heraus, das zu Unrecht nur als der "Wehdorn" bezeichnet wird. Sie war auch Mitarbeiterin am Buch "Die Bautechnik der Wiener Ringstraße", das Wehdorn 1979 publizierte. Auf Frau Georgeacopol brachte mich wiederum Markus Landerer, Vorstandsmitglied der Österreichischen Gesellschaft für Denkmal- und Ortsbildpflege, der schon seit Wochen einen Bericht über unsere gefährdete Brücke auf der bekannten Seite "Netzwerk Denkmalschutz Österreich" frontside prangen hat.

Nun, Frau Georgeacopol teilte mir mit, dass die Firma Gridl seit Jahrzehnten in ihren Forschungen als eine der bedeutendsten Eisenkonstruktionswerkstätten des 19. Jh. eine prominente Rolle spielt. Es gäbe aber keine Monographie zu dieser Firma, auch kaum etwas über Gridl selbst. Sehr häufig sei aber Gridl im oben genannten Buch "Bautechnik" als an den Ringstraßenbauten beteiligte Eisenkonstruktionsfirma aufgeführt. Heute bekam ich das Buch in der neuen Städischen Bücherei am Urban Loritz Platz zu Gesicht. Wieder muss man das Gebiet, auf das man Gridls eiserne Bauwerke bisher einschränkte, um vieles erweitern!

Es gibt 20 Fundstellen von "IG GRIDL" im Text und 6 Tafeln, die Gridl im Erklärungstext nennen. Die Firma Gridl hat demnach beileibe nicht nur das Palmenhaus in Wien gebaut, sondern auch kräftig an den Bauten der Ringstraße, welche meist in den 70er und 80er Jahren des 19. Jh. entstanden sind, mitgewirkt!

K.K. Hofoper (Staatsoper), erbaut 1861-1869. Eisenkonstruktionen: Ignaz Gridl (u.a.).

Hofburgtheater (Burgtheater), erbaut 1874-1888. Eisenkonstruktionen: Ignaz Gridl.

Deutsches Volkstheater (Volkstheater), erbaut 1888-1889. Eisenkonstruktionen und Bühneneinrichtungen: Ignaz Gridl.

Wiener Bürgertheater (Wien 3, Abbruch 1961), erbaut 1905. Eisenkonstruktionen und Bühneneinrichtung: Ignaz Gridl.

Neue Fleischhalle (Wien 3), erbaut 1899. Luftbahn Gleisanlage: Ignaz Gridl.

Kaisergarten (Glashaus im Burggarten), erbaut 1901-1905. Eisenkonstruktionen für den Zubau 1920-1911: Ignaz Gridl.

Stubenbrücke (Umbau nach 1945), erbaut 1899-1900. Fachwerkträger, Stützweite: 28,20m. Eisenkonstruktion: Ignaz Gridl.

Stadtbahnanlage, erbaut 1892-1901. Brückenkonstruktionen: Ignaz Gridl (u.v.a.).

Telegrafenzentralstation (Börseplatz 1), erbaut 1873-1874. Ausbau der Eisenkonstruktionen: Ignaz Gridl.

Tafel 57 ist eine Konstruktionszeichnung von Ignaz Gridl aus dem Jahr 1874. Es zeigt den Plan der eisernen Deckenkonstruktion für das Hochparterre des k.k. naturhistorischen Museums (Hofmuseum), das 1871-1889 erbaut wurde.

Tafel 58/59: Dach- und Deckenkonstruktion über den Haupttreppen der beiden k.k. Hof-Museen (Naturhistorisches und Kunsthistorisches Museum). Signiert: Ignaz Gridl.

Tafel 60 zeigt den "Kräfteplan" für diese Dachkonstruktionen ebenfalls signiert von Ignaz Gridl.

Die Tafeln 103 und 134 zeigen weitere signierte Konstruktionspläne von Ignaz Gridl.
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Manfred Wehdorn, Die Bautechnik der Wiener Ringstraße: mit einem Katalog technischer Bauten und Anlagen in der Ringstraßenzone (Wiesbaden 1979)
(Die Wiener Ringstraße; Bd. 11)