Der verschwundene Felsen auf dem Gemeindeberg in Harmanschlag

Der Gemeindeberg erhebt sich steil hinter Harmanschlag hinauf bis zu einer Höhe von 908m. Vom Norden her ist er über einen beinahe flachen Rücken mit dem nicht einmal zwei Kilometer entfernten Nebelstein verbunden, der ihn um etwas mehr als 100m überragt. Steigt man von der Rörndlwies hinauf, so geht man durch einen mit Tausenden Steinblöcken übersäten Wald.  Oben angekommen hätte man die wunderbarste Aussicht, wäre der Gipfel nicht bewaldet! Vielleicht würden viel mehr Menschen in unsere Gegend kommen, wenn sie von den Bergen wieder in die weite Landschaft schauen könnten, wenn sie Ziele für ihre Wanderungen vorfänden, die sie für ihre Wanderung belohnten. So sieht man vom Gemeindeberg aus nicht einmal Harmanschlag, nicht Himmelreich, den Nebelstein auch nicht direkt vom Gipfel, nicht Roßbruck, nicht den Wachberg, nicht die Langfelder Ebene, nicht Weitra, nicht hinauf in das Waldgebiet bis zum Tischberg, wie es bei freier Sicht möglich wäre, man sieht gar nichts von der Umgebung.

Im Saal, den der Wald bildet, breitet sich vor einem eine eigentümliche Szenerie aus: Statt eines Gipfels fast eine Mulde, eine Vertiefung! Steinhaufen rings um einen seichten Krater aufgereiht, doch nicht aus Rundlingen bestehend, wie sonst, wo Bauern die Steine aus ihren Feldern räumten, sondern aus merkwürdig scharfkantigen Stücken. Größere Steine finden sich zu einen Haufen am Rand dieser Bühne aufeinander gewuchtet. Was wurde hier eins aufgeführt?

Erst bei genauerem Hinsehen findet man die Erklärung: Hier war ein kleiner Steinbruch, hier dürfte eine größerer Felsen abgebaut worden sein, die Spuren finden sich deutlich an den Bruchstellen der liegen gebliebenen Teile. Man kennt den Stein von den Marterln der Gegend, von den schweren Futtertrögen, die heute als Blumenkisten verwendet werden, von den Fensterüberlegern in alten Steinmauern, von den Angelsteinen der Bauerntore. Er wurde mit einfachem Werkzeug gebrochen: Man schlug Keile hintereinander an der gewünschten Bruchlinie in den Block, bis der Stein brach, wie man es noch deutlich an den Bruchstücken erkennen kann. Wann - ich weiß es nicht. Vielleicht vor zwanzig Jahren, vielleicht vor zweihundert Jahren.

Den Gemeindeberg von Harmanschlag hat also früher auch ein Fels bekrönt, wie die meisten Berge der Gegend. Da er wohl gut verwertbar war, machte man aus ihm vielerlei Dinge, die sich nun im Lainsitztal verstreut wieder finden. Vielleicht stammt sogar so mancher Altar oder so manche Säule der umliegenden Kirchlein von hier - es wäre hochinteressant, mehr über den Verbleib des verschwunden Felsen in Erfahrung zu bringen.

Oben:
   Bruchfläche mit Kerben
Links:
   Szenerie am Gipfel
   Scherbenhaufen
   Detail eines Bruchstückes
Onlinekarte mit Gemeindeberg