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Durch den Wald des Fürsten
Warzenstein, Kohlerberg, Bärenstein, Menahütte, Riesenkopf, Stubenberg, Joachimstal (2002)

Die ersten vier Kilometer folgen wir dem Wanderweg 6 der Marktgemeinde St. Martin von Harmanschlag zum Warzenstein, in der Tasche die wunderbare neue Wanderkarte. Es ist Spätherbst, nur noch einzelne Äpfel hängen an den entlaubten Obstbäumen am Anfang des Weges. Die Wiesen sind gemäht, die Felder geackert, die meisten Laubbäume haben ihre Blätter abgeworfen, nur die vereinzelten Lärchen bilden Glutnester in den dunkelgrünen Fichtenwäldern. Wir haben einen der seltenen sonnigen Herbsttage dieses Jahres erwischt: Allerheiligen 2002.

Die Lainsitz ist nicht zu sehen von hier heroben auf dem nördlichen Hang ihres Tales. Auf der Seite drüben erheben sich die imposanten Berge des Nordwaldes, sie bilden ein schier endloses, dunkles Waldmeer bis zum Horizont. Herüben liegen Felder und Wiesen auf den steilen Wellen bis weit hinauf zum Wald. Nur ein paar Schritte, und schon ist man draußen aus dem Dorf, über die erste Kuppe, und man ist verloren in einem Ozean. Wie Fischerboote nahe dem Ufer liegen vereinzelte Scheunen. Eine letzte der Küste vorgelagerte Inselgruppe ist die ob ihrer Lage privilegierte Edlau mit ihren wenigen Häusern auf dem sonnigen Südhang des Arra. Der Berg ist Schifahrern und Snowboardern wegen seiner Liftanlage am Ostabhang bekannt. Auf der anderen Seite des Tales, etwas tiefer, sieht man die vereinzelten Häuser von Fischbach.

Dann erfasst auch uns der Wald. Bald hört man ein kräftiger werdendes Rauschen. Unmöglich, dass hier die Lainsitz zu hören wäre. Es ist der unscheinbare Klafterbach, der so ein Getöse macht. Er führt etwas mehr Wasser wegen des dauernden Regens und er stürzt über hunderte kleine Wasserfälle steil ins Tal, so dass er nicht zu überhören ist!

Der Forstweg ist eine richtige Straße! Breit und gut befahrbar. Wer macht sich das Fahren in seinem Wald so bequem?

Zum Warzenstein geht es kräftig bergauf. Er liegt, wie das letzte Mal, majestätisch vor uns. Was mir heute auffällt: Der große Stein schwebt! Er steckt wie ein Keil zwischen zwei großen Blöcken. Man könnte, wenn man sich trauen würde, der Länge nach unter ihm durchkriechen.

Vom Warzenstein zum Kohlerberg ist es nicht weit. Glück: Ein Holzschlag östlich seines Gipfels ermöglicht derzeit Aussicht zum Wachberg und zu den weiteren Bergen im Osten und im Süden. Auch der Grundberg ist zu sehen, und auch - wegen der herbstlichen Verfärbung - seine Lärchen auf dem Gipfel, die wahrscheinlich für das merkwürdige Rechteck auf unserem Luftbild verantwortlich sind!

Mein Herz schlägt höher, als ich auch auf dem Kohlerberg schon von weitem Lärchen auf dem Gipfel sehe. Sie bilden ein volles Rechteck westlich des Gipfels. Markante Felsen an der höchsten Erhebung. Leider ist der Gipfel verwachsen, nur zum Nebelstein kann man hinüber sehen. Warum auch hier auf diesem exponierten Gipfel diese sonst sehr seltenen Bäume gehäuft auftreten?

Die Wanderkarte zeigt mir den Weg zum nur wenige Meter höheren Gipfel des nahen Bärensteines. Eigentlich sind Bärenstein, Nebelstein und Gemeindeberg nur vereinzelte, über einen flachen Grat miteinander verbundene Gipfel eines einzigen großen Berges. Die nächste Überraschung: Genau auf dem höchsten Punkt des Bärensteines finde ich ein altes steinernes Fundament, das hier wie beiläufig Jahrhunderte überstanden hat. Etwa drei mal drei Meter groß, im Norden eine kleine Rampe. Eine Hütte hätte darauf gepasst, die Rampe wird zur Tür geführt haben. Nach Gansberg und Reitberg ist das nun schon der dritte Gipfel, auf dem ich heuer ähnliche Überreste finde!

Einige Schritte entfernt wächst eine mir nicht bekannte Pflanzenart, so dicht und so scharf abgegrenzt von der Umgebung, dass es aussieht, als wäre eine dicke grüne Tuchent ausgebreitet. Es ist Bärlapp, wie ich später herausfinden werde, das Drudenkraut der Kelten.

Die letzte große Überraschung liefert die Menahütte oder vielmehr die Felsgruppe um sie herum. Obwohl in dieser Gegend aufgewachsen, habe ich von dieser Jagdhütte noch nicht gehört. Ich suchte sie nur auf, weil sie als markanter Punkt in der Österreichkarte und auch in der Wanderkarte von St. Martin eingezeichnet ist. Ich werde sie wieder aufsuchen, weil sie an einem der wirklich schönen Aussichtspunkte des oberen Lainsitztales liegt! Eine Felsengruppe mit bizarren Formen, wuchtig, finster im Norden, hell und voll in der Sonne im Süden. Joachimstal liegt etwa 250m tiefer zu Füßen des Hanges, nur einen Kilometer in der Horizontalen entfernt. Der Ausblick hinüber zum Hirschenstein, wo ein einziges, großes gelbes Anwesen auf einer Woge des Nordwaldes treibt, ist bezaubernd. Die Menahütte ist gut instand gehalten, die Balken frisch imprägniert, das Dach in Ordnung, die Veranda sorgfältig mit Steinen gekachelt. Die Tür, die Fensterläden sind geschlossen. Wer hat diese außergewöhnlich schöne Jagdhütte für sich und seine ausgewählten Gäste reserviert?

Es müssen jedenfalls sehr bequeme Waidmänner sein. Unweit der Hütte, am Riesenkopf vorbei, liegt eine kleine Lichtung. Die lieben Jagdgäste können mit ihrem PKW auf breiten Forstwegen hierher fahren, standesgemäß wird es aber wohl ein Geländewagen sein müssen. Die Wiese ist mit hohem Drahtgitter umzäunt, ein breiter Eingang offen gelassen, Obst als Lockmittel aufgeschüttet. Ein paar Meter hinter dem Waldrand ein Hochstand. Der Jagdfreund muss hier freilich selbst hinaufklettern, sich hinsetzen, die Waffe hochstemmen. Auch den Abzug wird er nach kurzem Warten selber drücken müssen, damit er stolz eine Beute nach Hause bringen kann.

Der Wanderer geht noch bis zum Stubenberg, vorbei an endlosen Holzscharen, um noch einen in der Karte verzeichneten Bildbaum zu sehen. Auf dem Bild führt ein Schutzengel zwei Kinder sicher ihren Weg. Mich führt meiner wohlbehalten hinunter nach Joachimstal, vorbei am Haus Nummer 1, einem Forsthaus der Fürsten- und Landgrafenfamilie zu Fürstenberg. Etwas heruntergekommen, in der Substanz aber immer noch Respekt gebietend. Wer wirklich reich ist, muss es nicht dauernd unter Beweis stellen.
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0)
Satellitenbild mit Bärenstein online
1) Die Wanderkarte kann bei der
Marktgemeinde St. Martin bestellt werden.
2)
Arra Lifte Harmanschlag
3) Die Menahütte auf GoogleMaps

unweit von Harmanschlag

verfallende Fischbecken

Kohlerberg

Hirschenstein

Sandgrube

Klafterbach

Warzenstein

mit Herbstlaub

unter dem Stein

Kohlerberg

nach Süden

Lärchen auf dem Kohlerberg

zum Wachberg

nach Osten

Bärenstein

Fundament

genau

am Gipfel

Drudenkrautbett am Bärenstein

Felsen nahe der Menahütte

bizarre Felsen

wunderbarer Ausblick

finstere Nordseite

helle Südseite
gut verriegelt Riesenkopf
und Umgebung endlos
für tapfere Waidmänner
Bildbaum