Der Heilige Stein

Nicht einmal 20km westlich des Lainsitzursprungs, auf einem Hügel rechts der Maltsch, liegt ein großer, auseinander gebrochener Stein, seine Oberfläche ist von tiefen, kreisrunden Gruben zersetzt. Er übt auf Menschen seit Jahrhunderten eine mächtige Anziehungskraft aus. Die Tschechen nennen ihn Svatý Kámen, die Deutschen nannten ihn Halin Stoa, ebenfalls Heiliger Stein.

Herz einer Kirche

Man fand den Stein so bedeutend, dass man zu seinem Schutz vor mehr als dreieinhalb Jahrhunderten dicke Mauern um ihn zog und ein Gewölbe über ihm aufrichtete. Seit damals liegt er gebettet wie ein steinernes Herz in steinerner Schatulle. Das Gebäude, das er fast sprengt, ist eine kleine, aber feste Kapelle, erbaut von den Klarissen in Krumau. Mit der Zeit kam eine Messkapelle und eine Kapelle für einen Brunnen dazu, dessen Quelle unter dem Heiligen Stein vermutet wurde. Schließlich wurde sogar noch eine große "Gnaden"kirche gebaut, die man der Gottesmutter Maria weihte und nach der alten römischen Kirche Santa Maria Maggiore „Maria Schnee“ nannte. Das Wallfahrtstreiben rund um den Stein war rege, viele Heilungen und Wunder wurden vermeldet.

Wunder Wiedererstehung

Ein Wunder ist es auch, dass die Kirche Maria Schnee beim Heiligen Stein nach ihrem Verfall im Zeitalter des Kalten Krieges wieder in voller Pracht erstanden ist. Sie lag im Sperrgebiet, man verwendete sie als Lagerhalle, schließlich stürzten Dach und Turm ein. 1989 war sie bis zur Unkenntlichkeit ruiniert. Doch 1991 war die Steinkapelle wieder instand gesetzt, 1993 Brunnkapelle, Kreuzweg und Kirche. Der Stein und die Legenden um ihn herum ziehen immer noch so viele Menschen so stark in ihren Bann, dass solche Wunder möglich werden.

Marienerscheinung

Brunnen und Stein, wie so oft sind sie verknüpft mit dem Bild Mariens. Um 1500 soll die Göttliche auf diesem Stein mit einer Schar Engel erschienen sein. Man verdeutlicht die Szene den Leuten heute mit einfachen Figuren auf dem Fels. Maria mit dem Kind, herum, etwas kleiner, betende geflügelte Engel. Über den Spalt, auf die andere Hälfte des Brockens, stellte man eine Josefsfigur, vielleicht nicht ganz der Erscheinung entsprechend.

Der Stein soll sich übrigens erst später von selbst geteilt haben, seine beiden Teile drifteten auseinander und man schwört, dass der Jüngste Tag anbrechen werde, sobald der Spalt so breit ist, dass ein beladener Wagen durchfahren kann.

Wo der Himmel die Erde berührt

1631 sollen Hirten an dem gespaltenen Stein bemerkt haben, dass von ihm ein geheimnisvolles Licht ausgeht. Es sprach sich schnell herum, und man meinte, dass bei diesem Stein der Himmel die Erde berühre.

Wenig später wurde durch das Wasser der nahen Quelle ein kleines Mädchen aus dem nahen Reichenau geheilt, immer mehr Menschen kamen daraufhin zu dem Stein und seiner Quelle, so dass 1653 die oben genannte Steinkapelle errichtet werden konnte.

Alte Kultstätte?

Ob der Stein einen alten kultischen Ort markiert? Seine Lage würde so etwas möglich machen. Heute führt die Bundesstraße Linz – Budweis unweit von ihm vorbei, doch auch schon zwei Jahrtausende vor uns zog sich hier ein wichtiger Verbindungsweg zwischen dem Land an der Moldau und der Donau durch. Er liegt an einem Tor zwischen alten Reichsgebieten, alten geographischen Einheiten. Kein Wunder, wenn der wundersame Fels schon früher für besondere Anlässe Mittelpunkt gewesen wäre.

Wie sagt man modern: Gnadenort?

Ich war erst einmal dort, und auch nur kurz. Ich habe trotzdem zufällig miterlebt, wie einfache, doch neuzeitliche Menschen sich um den Fels versammelten und für ihre Anliegen beteten. Sie kamen privat, in zwei Autos. Es ging augenscheinlich um das Glück einer der jungen Frauen unter ihnen. Sie und zwei andere entzündeten Kerzen in der Mitte des Felsens, schließlich betete sie alleine dort. Etwas ganz Wichtiges für sie, ihre Freunde und ihre Eltern brachte sie hier vor ein höheres, transzendentes Forum.

Unter der Marienstatue fand ich ein Kuvert mit dem Bild eines jungen Paares, das sich bei der Himmlischen Mutter für ihre Hilfe bedankte. Schön, dass es heute noch Orte gibt, die einen an solche Hilfe glauben lassen.

 


Der Ort auf amap.at

Anfahrt über Freistadt/Wullowitz

Die Festschrift "500 Jahre Wallfahrt Maria Schnee beim Heiligen Stein. 1500-2000" liegt in der Kirche auf.

Weitere Schalensteine: Lainsitzboard.

Die Sage auf sagen.at.

Historisches und Architektonisches auf ckrumlov.cz

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Maria Schnee beim Heiligen Stein